Wann ist der LTE-Ausbau in Deutschland abgeschlossen?

Wann ist der 4G-Ausbau hierzulande beendet? Ein flächendeckendes LTE-Netz wird es in Deutschland nicht geben. Bis Ende 2019 müssen Deutsche Telekom, Vodafone und o2 eine 4G-Netzabdeckung von 98 Prozent nach Bevölkerung bieten. So sehen es die Auflagen aus der Auktion 2015 aus. Bei jeder Frequenzauktion ersteigern die Netzbetreiber nicht nur Frequenzen, sie verpflichten sich bestimmte Versorgungsauflagen zu erfüllen. Auf diese Weise versucht die Bundesnetzagentur den LTE-Ausbau in Deutschland zu lenken. Solche Auflagen sollen zum Beispiel dafür sorgen, dass die Netzbetreiber die Versorgung der ländlichen Regionen nicht vernachlässigen.


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Warum gibt es in Deutschland weiterhin so viele Funklöcher?

Im Jahr 2010 wurden erstmals Frequenzen für die Mobilfunktechnologie der vierten Generation versteigert. Die Netzbetreiber verpflichteten sich, zuerst die ländlichen Gebiete mit 4G zu versorgen. Die Versorgungsauflagen für den LTE-Ausbau sahen wie folgt aus. In jedem Bundesland wurden unterversorgte Orte benannt. Die Mobilfunkanbieter mussten in den Flächenbundesländern 90 Prozent der genannten Gemeinden mit 800-MHz (Digitale Dividende I) ausbauen.

Auf dem Land kommt 800-Mhz zum Einsatz (Bildquelle: istockphoto.com, shapecharge)

Das Frequenzspektrum mit 800-MHz bietet eine hohe Reichweite, mit einem Sendemast kann man einen Umkreis von 10 Kilometer versorgen. Weiterhin lassen sich mit den Frequenzen der Digitalen Dividende I besonders gut Wände durchdringen. Diesen Vorteilen steht eine geringe Übertragungsrate von bis zu 50 Mbit/s entgegen. Mit 1800- und 2600-MHz sind höhere mobile Geschwindigkeiten möglich. Nachdem die Netzbetreiber 90 Prozent der Weißen Flecken in einem Bundesland geschlossen hatten, konnten sie weitreichenden  Frequenzen mit 800-MHz auch in den Städten nutzen.

Der LTE-Ausbau begann im Jahr 2011. Die Netzbetreiber drückten ordentlich aufs Tempo. Bereits Ende 2012 konnten die 4G-Anbieter die Auflagen deutlich vor der gesetzten Frist  (01.01.2016) erfüllen. Am 26. November 2012 meldete die Bundesnetzagentur in einer Pressemitteilung, dass die Netzbetreiber die Versorgungsauflagen aus der Auktion 2019 in allen Flächenbundesländern erfüllt hätten.

Warum gibt es in Deutschland weiterhin so viele Funklöcher?

Doch weshalb konnten die Netzbetreiber die Auflagen deutlich früher erfüllen? Warum gibt es dazu noch so viele Funklöcher in Deutschland, obwohl die Mobilfunkanbieter zahlreiche Weiße Flecken geschlossen haben? Im Nachhinein zeigt sich, dass die Bundesnetzagentur die Versorgungsauflagen für den LTE-Ausbau auf dem Land nicht sonderlich ambitioniert formuliert hat. So war es ausreichend, wenn einer der Netzbetreiber eine unterversorgte Ortschaft mit 4G ausgebaut hat, die Bundesnetzagentur verzichtete auf Doppelversorgungen.

Die Schließung der Weißen Flecken erfolgte nur durch Telekom und Vodafone, o2 beteiligt sich nicht am LTE-Ausbau auf dem Land. Telefónica Deutschland vermarktet bis heute kein 4G-Produkt als DSL-Ersatz. Die Versorgung auf dem Land überließ man so Telekom und Vodafone. Kunden konnten Call & Surf Comfort via Funk oder LTE Zuhause buchen. In Ortschaften, in welchen die Telekom ausbaute, gab es kein LTE von Vodafone und umgekehrt. Weiterhin darf man nicht übersehen, dass in jedem Bundesland nur 90 Prozent der Weißen Flecken geschlossen werden mussten, 10 Prozent blieben beim LTE-Ausbau unversorgt.

Es kommt noch ein weiteres Problem hinzu. Die Bundesländer benannten unterversorgte Ortschaften auf sogenannten Ausbaulisten. Diese Listen waren jedoch nicht vollständig und korrekt, wie sich später herausstellte. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass es weiterhin zahlreiche Funklöcher in Deutschland gibt.

Auflagen 2015 – LTE-Netzabdeckung von 98 Prozent

Die Bundesnetzagentur hatte aus den Fehlern gelernt. Die Auflagen aus der Auktion 2015 wurden strenger formuliert. Bis Ende 2019 müssen alle drei Netzbetreiber eine 4G-Abdeckung von 98 Prozent (nach Bevölkerung) bieten. Jedes Bundesland muss mit mindestens 97 Prozent versorgt sein. Weiterhin haben sich die Netzbetreiber verpflichtet, Autobahnen und ICE-Strecken mit LTE auszubauen.

Deutsche Telekom und Vodafone dürften die Auflagen mit großer Sicherheit erfüllen. Telefónica Deutschland hinkt beim LTE-Ausbau in Deutschland hinter her. Experten hatten immer wieder Zweifel geäußert, ob der Netzbetreiber die Auflagen aus der Auktion 2015 fristgerecht erfüllen kann. Bei o2 hatte man immer wieder betont, dass man die Ziele für Ende 2019 erreichen werde.

5G steht in den Startlöchern

In Deutschland steht bereits 4G-Nachfolger in den Startlöchern. Die Deutsche Telekom  und Vodafone sind im Juli 2019 mit dem ersten 5G-Tarif gestartet. Ist mit dem Start der Mobilfunktechnologie der fünften Generation der LTE-Ausbau in Deutschland beendet? Die Telekom hat versichert, den 4G-Ausbau hierzulande weiter voranzutreiben. Auch Vodafone und o2 verfolgen die gleiche Strategie. 5G mag in Deutschland vor der Tür stehen, doch es wird noch Jahre dauern, bis die Mobilfunktechnologie den Massenmarkt erreicht. LTE wird noch über eine längere Zeit der dominierende Mobilfunkstandard bleiben.

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